Die Falkenmühle
Die Falkenmühle
Funktionsübersicht
Die Technik der Falkenmühle
Kernstück jeder Getreidemühle war vor der Erfindung des Walzenstuhls
der Steinmahlgang, das Zusammenspiel der Mühlsteine, die durch die
Mahlbewegung das Korn zu Mehl verarbeiten. Dabei dreht sich nur der
obere Mühlstein, der durch das Mühlrad oder die Windflügel angetrieben
wird. Der obere Mühlstein heißt deswegen auch Läuferstein, er zermalmt
das Korn auf dem festsitzenden unteren Mühlstein, dem Bodenstein.
Die Dicke der beide Mahlsteine war unterschiedlich. Der Bodenstein
wurde mit etwa mit 12 Zoll gemessen und der Läuferstein hatte eine
Breite von 6 Zoll, sein Gewicht betrug etwa 5 Zentner.
Der Antrieb des obersten Mühlsteins, des Läufersteins, erfolgte über das
senkrecht stehende Mühl- oder Herzeisen. Am unteren Ende befand sich
eine eingesetzte Pfanne, auf der der Mühlstein während der Drehung
pendeln konnte. Darunter waren die Mitnehmerklauen, welche in die
eingemeißelten Öffnungen im Mühlstein greifen konnte, befestigt.
Am anderen Ende des Mühl- oder Herzeisen war eine gehärtete Kugel,
auf welcher die gesamte Konstruktion hing und sich drehte. Zwischen,
diesen beiden Konstruktionen, befand sich der Antrieb, ein großes
Zahnrad, auf das die Kraftübertragung, vom Mühlrad her kommend,
erfolgte.
Größte Aufmerksamkeit schenkten die Mühlenbetreiber von jeher der Qualität der Mühlsteine. Von der
Beschaffenheit der Steine hing die Mahlgüte ab. Schon die Römer wussten, dass sich nur wenige
Steinsorten zu guten Mahlsteinen verarbeiten lassen. Diese Steine müssen eine große Härte besitzen,
sich zugleich durch ein poröses Gefüge auszeichnen und trotzdem leicht Bearbeiten (Schärfen)
lassen. Weltweit berühmt waren die französischen Steine. Dies galt vor allem für Steine der
Marnelandschaft bei Paris. Die für den Transport zerlegten Mahlsteinteile wurden im jeweiligen
Bestimmungsland von speziellen Mühlsteinfabrikanten mit Gips vereinigt und einem eisernen Reifen
umgeben. Zuletzt wurden die Mahlflächen der Steine „geschärft“, damit die Körner während des
Mahlvorganges nicht zerrissen werden. Auch das Schärfen - Einschlagen der Rillen - war eine spezielle
Wissenschaft. Ein gleichmäßiger Stein aus bester Quarzqualität, regelmäßig und gekonnt
nachgeschärft, konnte bei einer täglichen Arbeitszeit von 15 Stunden etwa 35 Jahre lang dienen.
Nach dem derzeitigen technischen Stand wurde die Mühle auch nach dem verheerenden Brand 1927
als Schrot und Mahlmühle genutzt. Allerdings wurden keine Mühlsteine mehr benutzt, sondern zwei
Walzenstühle der Firma Seck aus Dresden kamen zum Einsatz.
Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Ende der mit Mühlsteinen arbeitenden
Mühle eingeläutet. Der sprunghaft angestiegene Brotbedarf in den Großstädten und die absehbare
völlige Ausbeutung der wenigen geeigneten Steinbrüche ließ eine andere, wirtschaftlich bessere
Mahltechnik, immer notwendiger erscheinen. Da tauchte im richtigen Moment ein neues Mahlverfahren
auf. Es war der Walzenstuhl, bei dem anstelle der Mühlsteine Walzen aus Hartguss oder speziellem
Porzellan traten. Je nach gewünschter Mehlqualität konnte das Walzenpaar in einer anderen
Geschwindigkeit laufen.
Die tägliche Leistung der Mühle mit zwei Walzenstühlen lag etwas bei 4 t. Mehl. Teilweise wurde das
Mahlgut gebracht, teils mit eigenem Fuhrwerk beim Kunden abgeholt und zurückgebracht.
Zuerst bekam der Müller für seine Arbeit kein Geld, sonder einen Anteil etwa 7 Prozent am fertig
gemahlenen Mehl und die Kleie. Diese Kleie verfütterten sie dann an ihr Vieh, das sie später gemästet
verkaufen konnten. Um 1950 wurde für den Zentner Mehl und die Kleie, die dann zurückgegeben
wurde, etwa 2,00 DM bezahlt.
Im Herbst, wenn das Mahlgut angeliefert oder beim Kunden abgeholt wurde, lief die Mühle Tag und
Nacht. Wenn die Walzenstühle Nachschub brauchten, oder die Absackbank alle Mehlsäcke gefüllt
hatte, wurde durch eine Glocke der Müller, gegebenenfalls auch nachts, in seinem Bett benachrichtigt.
Die Wasserräder selbst liefen Tag und Nacht, nur im Winter wurden sie abgestellt, da Eis das Holz
gefrieren lässt, dann würde es reißen.
Die technische Ausstattung war folgende:
Insgesamt hat die Mühle 4 Geschosse:
Im Keller der Antrieb, im Erdgeschoss die
Walzenstühle und die Mehlabfüllvorrichtung.
Im Obergeschoss eine Absackbank, eine
Reinigungsmaschine und die
Mehlmischmaschine. Im Dachgeschoss zwei
Plansichter und eine Reinigungsmaschine.
Aspiratöre (Becherwerke) haben die einzelnen
Maschinen verbunden.
Im Kellergeschoss der Mühle befindet sich die
Haupttransmission mit Ihren Ölschmierlagern und
gusseisernen Flachriemenscheiben für den Antrieb
der Müllerereimaschinen. Seitlich angebaut ist der
Turbinenraum mit einer Turbine Escher Wyss, diese
könnte noch erhalten sein, da sie seit Jahren unter
Wasser steht.
Im Erdgeschoss befindet sich zwei Walzenstühle,
eine Schrotmühle und eine Spitz- und Schäl-
maschine Fabrikat Engelsmann.
In der zweiten Etage der Mühle sind die Filter-
anlagen mit Saugschlauchfilter und Abklopfung.
Daneben befindet sich die Absackbank mit
Förderschnecke für die Befüllung der Säcke. In
dieser Etage befindet sich noch die stehende
Mischmaschine mit einer konischen Schnecke, die
Befüllung erfolgte per Hand.
In der dritten Etage ist der Plansichter, der mit
Bürstenreinigung ausgestattet ist, wobei durch die
Kreisbewegung der Bürsten die Siebe gesäubert
wurden.
Der daneben stehende Aspiratör hatte die Aufgabe,
das angenommene Getreide von Verunreinigungen
zu trennen. Durch die verschiedenen Siebe wurden
Steine, Stroh und andere Fremdkörper ausgesiebt.
Im Dachgeschoss befinden sich die Antriebe der
Elevatoren und die Elevatorenköpfe. Sie mussten
deshalb so hoch angebracht werden, damit für jede
einzelne Maschine ein Gefälle hergestellt werden
konnte.